Chronik

Königlich privilegierte Schützengesellschaft Rain, gegr. 1610 

Im Jahre 2010 feierte die Schützengesellschaft Rain ihr 400-jähriges Bestehen. Eigentlich etwa 96 Jahre zu spät. Bereits 1514 wurde nämlich von einer Schießstätte in Rain berichtet. Das älteste Originaldokument datiert erst aus dem Jahre 1610. Es ist eine Schießordnung der „Ziel- und Pirsch- Pixen der Stadt Rain, herausgegeben am 23. April 1610. In den darauffolgenden Jahrhunderten wurde in unserer Stadt ein sehr emsiges Vereinsleben registriert, das jedoch im 18. Jahrhundert etwas vernachlässigt wurde. Die älteste, vom Herrn Bürgermeister Bschorrer gestiftete Scheibe gewann im Jahre 1863 Herr Josef Schirmböck. Sie wird im Rainer Museum aufbewahrt. Herr Oberlehrer Anton Mann beschreibt in seiner, etwa 1930 verfassten Chronik, wie das Schützenwesen in Rain zu Beginn des 20. Jahrhunderts wiederbelebt wurde:

Am 6.4.1903 wurde die 1610 gegründete, seit längerer Zeit ruhende „Feuerschützengesellschaft Rain“ als neu organisiert gemeldet. Der Vorstand oder das Schützenmeisteramt bestand aus folgenden Mitgliedern:
 

  1. SM Amtsgerichtssekretär Josef Weber
  2. SM Kaminkehrermeister Georg Holzapfel

Schriftführer         Bahnadjunkt        Max Zötl 

Kassier Postexpeditor         Friedrich Feulner

alle aus Rain.

Bereits im September 1903 wurde der Ausschank von Bier an der Schießstätte in der Fasanerie unter bestimmten Auflagen gestattet. Nur an Vereinsmitglieder durfte man Bier ausschenken und dem Wirtschaftsbetrieb  wurde untersagt, Gewinne zu erwirtschaften.

Stolz wollten die Rainer Schützen im Jahre 1910 ihr 300-.jähriges Vereinsjubiläum feiern. Wegen der Hochwasserkatastrophe, bei der die Fasanerie und weite Teile von Rain unter Wasser standen, musste das Fest um einen Monat verschoben werden. Bereits zu dieser Zeit gab es in Rain noch andere Schützenvereine: Die Schützengesellschaften „Tell“ und „Gemütlichkeit“.

Ein besonderes Ereignis in der Vereinsgeschichte der Feuerschützen war die Fahnenweihe im Jahre 1927. Zu diesem großen Fest gibt es leider außer dem rechts abgebildeten Foto keine Aufzeichnungen.  Im 2. Weltkrieg gingen viele wertvolle Dokumente verloren.

1911 bedankt sich Seine Königliche Hoheit, Prinz Luitpold von Bayern, bei den Tell-Schützen

 

1933- 1945/49

In der Zeit der national-sozialistischen Herrschaft ruhte das Schützenwesen nicht nur in Rain. Überall verordnete man den Schützen eine „Zwangspause“. Auch nach dem Krieg, als andere Vereine ihre Tätigkeit aufnahmen, wurde den Schützen noch keine Erlaubnis erteilt. Erst um die Jahreswende 1949/50 wurden die strengen Bestimmungen gelockert und das Schießen mit Luftgewehren erlaubt. In Rain zählte man damals bereits sieben Schützenvereine:

Kgl. Priv. Feuerschützengesellschaft, Tell, Edelweiß, Ernst und Frohsinn und noch zwei kleinere, deren Namen in Vergessenheit gerieten. Schon damals wurde allen Verantwortlichen klar, dass „Kleinstvereine“ keine Zukunft haben können und so schlugen die Tell-Schützen vor, einen gemeinsamen Schützenverein zu gründen. Am 9. Juli 1950 fand im Gasthof Schmelcher eine außerordentliche Versammlung aller Vertreter der Rainer Schützenvereine statt, bei der die Königlich privilegierte Schützengesellschaft Rain, gegr. 1610 ins Leben gerufen wurde. Besonders lobenswert an dieser Stelle ist das Verhalten der Tell-Schützen, die trotz ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit auf ihren Namen verzichtet  und der neuen Bezeichnung ihre Stimmen gegeben hatten.

Die Vorstandschaft der neu gegründeten Schützengesellschaft setzte sich zusammen aus:

1. Schützenmeister            Lehmeier Josef

2. Schützenmeister            Horsch Erich

Schriftführer                      Mayinger Richard

1. Kassier                           Weiss Anton

Schließmeister                    Grueber Adolf

2. Schriftführer                   Busch

2. Kassier                            Stempfle

 

1951 feierte man das 340- jährige Bestehen, an dem 25 auswärtige Vereine teilnahmen.  Die Anwesenheit Seiner Königlichen Hoheit Ludwig Prinz von Bayern verlieh dem Fest eine sehr ehrenvolle Note und stärkte den Ruf der Rainer Schützen in der Gesellschaft der Stadt.

Am 10. Juni 1960 wurde das lang ersehnte Schützenheim in der Fasanerie eingeweiht. Dies war auch einer der Gründe, warum die Mitgliederzahl in den darauf folgenden Jahren so unglaublich zunahm. Bereits 1968 zählte man 150 Mitglieder. In geradezu detektivischer Arbeit gelang es dem damaligen Schützenmeister Richard Mayinger viele Dokumente  ausfindig zu machen und den Behörden vorzulegen.  Im Ministerialblatt vom 23. 10. 1968 konnte man lesen: Die Kgl. Priv. Schützengesellschaft Rain gehört nun zu den 186 bayerischen Gesellschaften, die diese ehrenvolle Bezeichnung führen dürfen.

1973 ging nach 21 Jahren die Ära Mayinger zu Ende. Sein Nachfolger wurde für die nächsten acht Jahre Eduard Schober. Burkhard Radke konnte nur ein Jahr den Verein weiterführen und musste 1982 aus gesundheitlichen Gründen sein Amt niederlegen. Der neue Schützenmeister hieß für die nächsten sechs Jahre Hermann Wurst.  Vor allem die Vorbereitungen und die Durchführung der 375- jährigen Gründungsfeier gehörten zu den besonderen Verdiensten seines Schützenmeiseramtes.

1985, unterstützt von dem Patenverein, der Kgl. Priv. Schützengesellschaft Harburg,  fand die bis dahin größte Feier in der Geschichte der Rainer Schützengesellschaft statt. Traditionsgemäß wurde auch ein Vertreter des Hauses Wittelsbach eingeladen -  Seine Königliche Hoheit, Prinz Luitpold von Bayern beehrte uns mit seinem Besuch. Hubert M. Drossbach übernahm die Schirmherrschaft des Festes.

1988 – 2010 

1988 löste Milan Alesik den bisherigen 1. Schützenmeister Hermann Wurst ab. Zu den besonderen Ereignissen seiner Vorstandschaft gehörte 2010 die Ausrichtung des 400- jährigen Gründungsfestes.

Die Suche nach dem Patenverein führte die Rainer Schützen nach Neuburg. Die Kgl. Priv. Feuerschützengesellschaft Neuburg nahm die Patenschaft an und der Seniorchef der Fa. Dehner, Herr Albert Weber, übernahm die  Schirmherrschaft.  Wieder war traditionsgemäß ein Angehöriger der königlichen Familie, Seine Königliche Hoheit Prinz  Christoph von Bayern, als Ehrengast anwesend.

Neue Vorstandschaft:

1. Schützenmeister                Marc Ginal

2. Schützenmeister                Adalbert Kefer

Schriftführerin                       Sylvia Wieczorek

Schatzmeisterin                     Angelika Kefer

Sportwart                              Klaus Schmidberger

Jugendsportwart                    Otto Haupt

Böllerhauptmann                   Lorenz Grünwald

Fahnenträger                        Werner Kruck und Marek Wieczorek

Medienwart                           Werner Kruck

Weitere Mitglieder der Vorstandschaft:

Andreas Wagner, Heiko Gayr, Lorenz Grünwald, Sabine Grünwald,  Siegfried Spreng (Ehrenmitglied), Gusti Schober (Ehrenmitglied), Edi Schober (Ehrenmitglied), Marek Wieczorek, Werner Kruck, Milan Alesik (Ehren-Schützenmeister)